Wilfred Owen, Anthem for Doomed Youth [REZENSION]
Autor: Wilfred Owen
Titel: Anthem for Doomed Youth
Seiten: 54
Verlag: Penguin
Jahr: 2015
Bewertung: -
If anything might rouse him
now
The kind old sun might know
Als eine Person, die sich leidenschaftlich mit dem ersten Weltkrieg beschäftigt,
versuche ich oft außer die wissenschaftlichen Bücher auch Romane und Gedichte,
die von diesen Ereignissen erzählen, zu lesen. Meine Lieblingslektüre wird immer Remarques Im Westen nichts Neues, ich habe jedoch
einen poetischen Äquivalent gesucht und deshalb habe ich mich mit Wilfred
Owens Anthem for Doomed Youth
versorgt. Penguin Verlag bietet uns, wie immer, ein perfektes Format an. Das Büchlein
ist klein (54 S.) mit einfachem schwarz-weiß Design, dank dessen wir uns noch
mehr auf Inhalt konzentrieren können.
Wilfred Owen (1893-1918) bezeichnet man oft als einen der bekanntesten
Kriegsdichter. Seine Gedichte, oft ohne irgendeine literarische Ornamente,
zeigen die Tragödie des Krieges durch die oft sowohl blutigen als auch
nostalgischen Bilder (Red lips are not so
red | As the stained stones kissed by the English dead, The Next War). Das ist die wichtigste
Sache, der man bewusst sein muss, bevor man das Abenteuer mit Kriegsliteratur
beginnt – die Sprache ist selten poetisch, denn der Krieg selbst war auch nicht
so. Owens Vision der Konflikt ist brutal, sinnlos, denn hunderttausende junge
Schicksale waren dann von den Alten bestimmt. Wenn man kämpft (oder: wenn man tötet
[Strange Meeting]), spielt Patriotismus
keine Rolle mehr und alles, was man bevor gehört hat, wird „die alte Lüge“ (Dulce et Decorum Est). Der Fakt, dass
Owen am 4. November 1918, also nur ein paar Tage von dem Kriegsende starb,
macht Seine Worte noch bitterer. Die Erinnerungen an dem alten Leben (ganz wie
bei Remarque scheint es, als hätte es das Leben „bevor“ nie gegeben oder als wäre
es vor Jahrhunderten gewesen), mischen sich mit der Angst, mit der Fröhlichkeit,
die das Sterben bedeutet, mit dem Schmerz und der Gleichgültigkeit gegen den
Tod, manchmal sogar die ungeduldige Erwartung auf deren Ankunft.
Die Gedichte können so interpretiert werden, dass eigentlich niemand, außer
Soldaten, die Recht haben soll, von dem Krieg zu schreiben, denn sonst wird die
Gesellschaft immer noch mit dem romantischen, falschen, Bild leben und auch
falsch reagieren. Denn bis heute lebt diese poetische und bunte Vision von „der
letzten Ritter der Luft“, von spannenden Kriegsabenteuern und verbotenen
Liebesbeziehungen. Dadurch vergisst man oft, dass der erste Weltkrieg gar keinen
Ring des Nibelungen und keine Shakespeare-Komödie
gewesen war. Die Owens Botschaft ist heute, in den Zeiten, wenn Popkultur
herrscht, besonders wichtig und gleichzeitig macht Owens Gedichte unmöglich zu
bewerten. Das gleiche sagen die unvergesslichen Zeilen von Apologia pro Poemate Meo:
(...)These men are worth
Your tears. You are not
worth their merriment.
Nicht ohne Bedeutung bleibt auch der Fakt, dass das letzte Titel im Buch
lautet The Next War, was die beste Zusammenfassung von der Rolle ist, die die
Gedichte von Owen und anderen gefallenen in unserem Leben spielen soll. Dass
seine Poesie soll uns die Lehre sein, sodass das gleiche nie mehr passiert.

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